Aktuelles

20. Tagung der Bielschowsky-Gesellschaft für Schielforschung und Neuroophthalmologie

30. Juni - 01. Juli 2017
Justus-Liebig Universität Giessen

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Übersicht zu weiteren Fortbildungen Strabologie

Übersicht zu weiteren Fortbildungen Neuroophthalmologie

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Stellungnahme der Bielschowsky-Gesellschaft zur Myopie im Kindesalter

Erstellt von W. Lagrèze, 18.12.2015
Bestätigt vom Beirat der Bielschowsky-Gesellschaft, 20.11.2015

Ausgangslage

Myopie ist die häufigste Sehstörung im Kindes- und jüngeren Erwachsenen­alter, die global zunimmt. In Europa sind aktuell ca. 47% der 25jährigen, 34% der 50jährigen und 15% der 75jährigen myop. In Asien erreichen die Prävalenzen unter jungen Erwachsenen teils über 90%. Ursächlich dafür sind in erster Linie ein geändertes Lern-, Lese-, Freizeit- und Arbeitsverhalten verantwortlich. Im Jahr 2050 werden weltweit ca. 4,9 Milliarden Menschen myop sein, 0,9 Milliarden hochmyop mit > - 6 dpt und somit ein hohes Risiko für Sekundärerkrankungen tragen. Die folgenden Empfehlungen beziehen sich auf die ?Schulmyopie?, die mit visueller Anforderung im Lese-/Monitorabstand (Lesen, Smartphone Nutzung, PC Nutzung) einhergeht und die damit in der Regel erst ab dem 6. bzw. 8. Lebensjahr (bis zum 15. Lebensjahr) auftritt.

Holden B et al. Eye 2014; 28: 142
Dolgin E et al. Nature 2015; 519: 276
Williams KM et al. Eur J Epidemiol 2015; 30: 305

Im Folgenden werden präventive Maßnahmen gelistet, die Eltern angeboten werden können, die Reihenfolge der Nennung entspricht dem zu erwartenden Effektivität.

Tageslicht

Wesentlicher präventiver Faktor ist Tageslicht, welches ca. 100mal intensiver ist als Raumbeleuchtung. Zu geringe Lichtmengen führen im Auge zu einem Dopamin-mangel, der nach aktuellen Hypothesen zur Myopie führt. Weit über 20 klinische Studien belegen deutlich den protektiven Effekt von Tageslicht. Daher sollte Kindern mit Myopie oder Myopierisiko empfohlen werden, pro Tag 2 Stunden im Freien zu verbringen.

French AN etal. Exp Eye Res 2013; 114: 58
Gwiazda J et al. Invest Ophthalmol Vis Sci 2014; 55: 752
McKnight CM et al. Am J Ophthalmol 2014; 158: 1079

Atropin

Aktuell liegen 7 randomisierte klinische Studien und 7 Kohortenstudie zum Effekt von Atropin-Augentropfen sowie eine Meta-Analyse vor. Basierend darauf kann bei Asiaten durch diese Therapie eine Zunahme der Myopie um 0,5 dpt, bei Kaukasiern um 0,3 dpt / Jahr gemindert werden. 0,01%ige Tropfen scheinen ausreichend zu sein und haben in dieser Konzentration keine Nebenwirkungen. In der sog. ATOM-Studie ergab sich nach einer 2jährigen Therapie eine Myopie- Minderung, die in den darauf folgenden 3 Jahren nicht wieder aufgeholt wurde. Die Tropfen müssen off-lable verordnet werden, sind nicht über die GKV erstattungsfähig und können von Apotheken mit Reinraum aus 0,5%igen kommerziell erhältlichen Tropfen hergestellt werden. Zunächst sollte 2 Jahre mit 0.01% Atropin 1x tgl. therapiert werden. Dann sollte eine Pause gemacht werden, um die weitere Progression zu beobachten. Ggf. kann die Therapie wiederaufgenommen werden. Eltern sollten darauf hingewiesen werden, dass die Studienlage noch etwas lückenhaft ist und insbesondere an kaukasischen Kindern keine große randomisierte klinische Studie durchgeführt wurde. Denkbarer Nachteil dieser Therapie könnte die chronische Applikation konservierungsmittelhaltiger Augentropfen im Kindesalter über Jahre sein. Inzwischen werden auch konservierungsmittelfreie Atropin-EDO-Tropfen angeboten.

Li S-M et al. Optom Vis Sci 2014; 91: 342
Chia A et al. Ophthalmology 2015; epub ahead of print
Yi S et al. J AAPOS 2015; epub ahead of print
Clark TY, Clark RA. J Ocul Pharmacol Ther 2015; epub ahead of print

Optische Versorgung

Viele myope Augen sind in der Netzhautperipherie hyperop, was ein Stimulus für eine weitere Myopisierung ist. Daher profitieren Kinder von Gläsern oder Kontaktlinsen, welche die periphere Bildschale stärker krümmen (z.B. multifokale Kontaktlinsen). Eine optische Unterkorrektur sollte generell vermieden werden.

Adler D, Millodot M. Clin Exp Optom 2006; 89: 315
Chung K, et al. Vision Res 2002; 42: 2555
Smith EL. Exp Eye Res 2013; 114: 77
Mutti DO et al. Invest Ophthalmol Vis Sci 2007; 48: 2510

Weitere Informationen über folgenden Link: http://www.medizin.uni-tuebingen.de/Presse_Aktuell/Einrichtungen A bis Z/Kliniken/Augenheilkunde/Augenklinik/Für Patienten und Besucher/Informationsmaterialien der Augenklinik.html

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Stellungnahme des Beirates der Bielschowsky-Gesellschaft für Schielforschung zur geplanten Kostenübernahme der Caterna-Sehschulung durch eine Krankenkasse / Studienbeteiligung

Beiratssitzung 29.11.2013, Leipzig

Die Wirksamkeit von driftenden Sinusgittern als Hintergrundmuster von Computerspielen auf die Besserung von Amblyopie additiv zur Okklusionstherapie ist umstritten und nach wissenschaftlicher Datenlage bisher nicht belegt. Beschriebene Effekte könnten auch von den Computerspielen selbst oder von einer Compliancebesserung herrühren.

Nichtsdestotrotz ist jede Unterstützung/Weiterentwicklung von Amblyopievorsorge und -therapie absolut in unserem Interesse. Somit finden wir den Vorstoß der Barmer GEK, die Caterna-Sehschulung ihren Versicherten über einen §73c-Vertrag auf Krankenkassenkosten zugänglich zu machen, akzeptabel.

Besonders unterstützenswert finden wir, dass die Amblyopietherapie dadurch wieder einen höheren Stellenwert bei den niedergelassenen Augenärzten bekommen kann und die Amblyopie in der öffentlichen Wahrnehmung in den Fokus gerückt wird.

Unterstützenswert ist außerdem die bisherige Strategie von Caterna, die additive Therapie ausschließlich über Augenärzte anzubieten, da wir nur bei Orthoptistinnen und Augenärzten die für eine suffiziente Amblyopietherapie notwendige Kompetenz sehen.

Wir möchten aber noch einmal explizit auf den fehlenden, spezifischen Wirksamkeitsnachweis hinweisen und unsere Unterstützung in der Evaluation und Weiterentwicklung des Verfahrens anbieten. Suffiziente Studien sind notwendig und der Beirat der Bielschowsky-Gesellschaft bietet seine Fachkompetenz und aktive Mitarbeit bei der Durchführung von Studien an.

Primärer Ansprechpartner kann Frau Dr. V. Bau (Dresden) sein, die den Kontakt zu den anderen Zentren koordinieren kann.

Voraussetzung für unsere Unterstützung und Mitarbeit an Studien ist, dass diese sinnvoll im Sinne einer möglichst klaren Aussage, ergebnisoffen und unabhängig von wirtschaftlichen Interessen und nach wissenschaftlichen Kriterien betreffend Design und Statistik durchgeführt werden sowie die Publikation der Ergebnisse/Schlussfolgerungen ausschließlich mit unserer Beteiligung.

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