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Bielschowsky-Gesellschaft für Schielforschung und Neuroophthalmologie |
Das Leben des Alfred Bielschowsky
Porträt Alfred Bielschowskys um 1907 zur ausführlichen Biographie des Alfred Bielschowsky Kurzfassung der BiographieAlfred Bielschowsky wurde am 11.12.1871 in Namslau, Niederschlesien, als Sohn jüdischer Eltern geboren. Das Abitur bestand er im April 1889 am Königlichen Katho-lischen Gymnasium zu Glatz. In Breslau begann er das Medizinstudium, wechselte bald nach Heidelberg, um dort im Mai 1891 das Physikum zu bestehen. Er hatte das Glück, schon in den ersten klinischen Semestern Vorlesungen bei dem großen Oph-thalmologen Theodor Leber hören zu können. Sein Studium setzte er in Berlin fort, besuchte die Vorlesungen im Fach Augenheilkunde bei K. E. Th. Schweigger, einem Schüler des berühmten Albrecht von Graefe, und wurde in Berlin 1893 im Fach Chirurgie promoviert. Die ärztliche Prüfung legte er am 01.03.1894 in Leipzig ab und erhielt die Approbation als Arzt. Ein einjähriger Militärdienst folgte. Seine ophthalmologische Ausbildung begann er 1895 bei Hubert Sattler. In dieser Klinik wurden die Weichen für seine wissenschaftliche Zukunft als Strabologe gestellt. Das Talent Sattlers, junge Wissenschaftler zu fördern, war bekannt und nicht umsonst wurde seine Klinik später als "Ordinarienschmiede" bezeichnet. Sein Einfluss und der des großen Physiologen Ewald Hering, der das der Augenklinik benachbarte Physiologische Institut in Leipzig leitete, gaben Alfred Bielschowsky die Möglichkeit, sein Interesse an der Physiologie und Pathophysiologie der Sensorik des Binokularsehens und der Motilität mit dem klinischen Fall zu verbinden. Carl von Hess, Assistent an der Augenklinik bei Bielschowskys Ausbildungsbeginn, der schon in Prag bei Sattler und Hering Unterstützung bei seinen Forschungen auf physiologisch-optischen Ge-biet gefunden hatte, mag ihm Vorbild gewesen sein. In den ersten wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigte sich Bielschowsky mit dem von Hering aufgestellten "Gesetz der identischen Sehrichtungen korrespondierender Netzhautstellen", das er am Fall "Georg Sturm" klinisch nachwies. Am Physiologischen Institut lernte er F. B. Hofmann kennen. In Zusammenarbeit mit Hofmann entstanden grundlegende Arbeiten über die Fusion und die Zyklodeviation bei Obliquus-superior-Paresen und der ange-borenen Obliquus-inferior-Überfunktion. In dieser Zeit entwickelte Alfred Bielschowsky eine tiefe Freundschaft zu seinem Kollegen Emil Krückmann. 1900 habilitierte er sich in Leipzig für das Fach Augenheilkunde und wurde zum Privatdozenten ernannt. Mit seiner Habilitationsschrift legte er den Grundstein für die Pathophysiologie der Sensorik des Begleitschielens. In den folgenden Jahren profilierte er sich als hervorragender Hochschullehrer und Wissenschaftler. 1906 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt und war von 1906 bis 1912 leitender Oberarzt der Leipziger Augenklinik. In Leipzig heiratete er die Reichsgerichts-ratstochter Frieda Johanna Blume. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. 1912 erhielt Alfred Bielschowsky den Ruf der Medizinischen Fakultät in Marburg auf den Lehrstuhl für Augenheilkunde. Während des ersten Weltkrieges war seine ganze Kraft als Arzt für die vielen schwerverwundeten und erblindeten Soldaten gefordert. Er nahm die Herausforderung an und sorgte umfassend für die Bedürfnisse der Blinden. Es ist seinem organisatorischen Geschick und seinem Weitblick zu verdanken, dass in Marburg a. L. die Deutsche Blindenstudienanstalt gegründet wurde. 1923 wurde er an die Universität Breslau berufen. Hier konnte er sein umfangreiches wissenschaftliches Werk ordnen und niederlegen. Das Buch "Die Lähmungen der Augenmuskeln", noch heute ein Standardwerk der Motilitätsstörungen, erschien 1932. Die politischen Veränderungen in Deutschland veranlassten Alfred Bielschowsky, seine Lehr- und Forschungstätigkeit in den Vereinigten Staaten von Amerika fortzuführen. Dort wurde sein unschätzbares Wissen und seine hervorragenden didaktischen Fähigkeiten mit großer Begeisterung und Dankbarkeit aufgenommen. Adelbert Ames verhalf ihm zu einem Neubeginn am Dartmouth College in Hannover, N. H. 1937 wurde für Alfred Bielschowsky das Dartmouth Eye Institute gegründet. Seinen weltweiten unbestrittenen Ruf als der große Strabologe des beginnenden 20. Jahrhunderts ist sicher auch auf seinen großen Fleiß und seine Energie zurückzuführen, die er bewiesen hat, als er in einer anderen Sprache einen neuen Anfang als Forscher und Lehrer setzen musste und mit den "Lectures" die amerikanischen Ophthalmologen stark beeinflusste. Der große Wissenschaftler und Ophthalmologe, der persönlich bescheiden und zurückhaltend war, der sich bei seinen Patienten und Kollegen der größten Hochachtung erfreute, verstarb am 05. Januar 1940, 68jährig in New York. Angelika Katharina Kaufmann Die Dissertation von Frau Dr. A.
K. Kaufmann "ALFRED BIELSCHOWSKY (1871-1940) - EIN LEBEN
FÜR DIE STRABOLOGIE" wird von der Bielschowsky-Gesellschaft
für Schielforschung zum Download angeboten. |
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