Wissenschaftspreis 2004
Der Preisträger 2004 des Wissenschaftspreises der Bielschowsky-Gesellschaft
für Schielforschung ist
Prof. Dr. med. Heimo Steffen
Der Preis, der mit 5000 € dotiert ist, wird für wissenschaftliche
Arbeit auf dem Gebiet der Störungen des Binokularsehens oder
der Augenmotilität vergeben, in der Regel alle 3 Jahre. Der
Preisträger darf zum Zeitpunkt des Erscheinens der letzten
für die Vergabe relevanten Arbeit nicht älter als 45
Jahre gewesen sein.
Der diesjährigen Preiskommission gehörten in alphabetischer
Reihenfolge an: Prof. Dr. med. Gerold Kolling, Heidelberg (Vorsitzender
der Preiskommission); PD Dr. med. Klara Landau, Zürich, Prof.
Dr. med. Birgit Lorenz, Regensburg (Vorsitzende der Bielschowsky-Gesellschaft),
Prof. Dr. med. Klaus Rüther, Berlin und Prof. Dr. med. Hermann-Dieter
Schworm, München.
Insgesamt wurden 4 Kandidaten vorgeschlagen. Herr Steffen erhielt
die beste Gesamtwertung.
Herr Steffen wurde am 31. Januar 1960 in Boulogne-Billancourt (Frankreich)
geboren. Nach dem Abitur 1980 in Oldenburg studierte er an der
Justus-Liebig-Universität Gießen und an der Faculté
de Médecine Paris VII als Stipendiat des Deutschen Akademischen
Austauschdienstes (DAAD) und der französischen Regierung
Humanmedizin. 1986 legte er das 3. Staatsexamen ab, 1988 erhielt
er die Approbation als Arzt. 1990 legte er Teil I und II der Foreign
Medical Graduate Examination in the Medical Sciences (FMGEMS)
ab. 1991 promovierte er an der Justus Liebig Universität
Gießen mit einer Dissertation zum Thema "Fadenoperation
und modifizierte Fadenoperation beim nichtakkommodativen Konvergenzexzeß"
zum Dr. med. (Augenklinik für Schielbehandlung und Neuroophthalmologie
der Justus Liebig Universität Gießen, Direktor: Prof.
Dr. H. Kaufmann). Von 1987 bis 1997 und von 1999 bis 2003 war
er an der Universitäts-Augenklink Heidelberg (Direktor: Prof.
Dr. H. E. Völcker) zunächst als Wissenschaftlicher Angestellter
und nach seiner Anerkennung als Facharzt für Augenheilkunde
1992 von 1992 bis 1997 als Funktionsoberarzt und von 1999 bis
2003 als Oberarzt an der Sektion für Schielbehandlung und
Neuroophthalmologie der Universitäts-Augenklinik Heidelberg
(Leiter: Prof. Dr. G.H. Kolling) tätig. 1997 und 1998 hat
er im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten
Forschungsaufenthaltes eine Fellowship am Johns Hopkins Hospital,
Department of Neurology, Baltimore, USA, bei Professor David S.
Zee, MD, abgeleistet. 2002 erfolgte die Habilitation im Fach Augenheilkunde
mit dem Thema: "Kinematische Eigenschaften und motorische
Adaptationsprozesse bei Patienten mit Strabismus sursoadduktorius
und Trochlearisparese unter besonderer Berücksichtigung des
Listing'schen Gesetzes". Im gleichen Jahr erhielt er die
Venia legendi für das Fach Augenheilkunde und wurde zum Privatdozenten
ernannt. Im Mai 2003 erhielt er einen Ruf auf eine C3-Professur
für Augenheilkunde mit dem Schwerpunkt okuläre Motiliätsstörungen,
Kinderophthalmologie und Neuroophthalmologie an der Medizinischen
Fakultät und am Universitäts-Klinikum Carl-Gustav-Carus
der Technischen Universität Dresden (Direktor: Prof. Dr.
med. L.E. Pillunat). Im Juni 2003 erhielt er einen Ruf auf eine
C3-Professur für Augenheilkunde mit dem Schwerpunkt Strabologie/Neuroophthalmologie
an der Medizinischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität
Würzburg. Seit Oktober 2003 ist er Universitätsprofessor
für Augenheilkunde mit dem Schwerpunkt Strabologie/Neuroophthalmologie
an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (Direktor:
Prof. Dr. F. Grehn).
Bisher hat Herr Steffen über 20 Artikel in peer-reviewed
medizinischen Fachzeitschriften publiziert, davon 11 als Erstautor.
Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten
Aufenthaltes an der Johns Hopkins Universität, Baltimore,
USA, bei Prof. David Zee beschäftigte sich Herr Steffen mit
der Erforschung verschiedener Aspekte der Listing´schen
Ebene mittels Search Coil Technik. Die Ergebnisse waren Grundlage
der Habilitationsschrift und wurden in der international hoch
angesehenen Zeitschrift Investigative Ophthalmology and Visual
Science veröffentlicht.
- Steffen H, Walker MW, Zee DS. Rotation of Listing´s
Plane with Convergence: Independence from Eye Position. Invest
Ophthalmol Vis Sci 41: 715-721 (2000)
- Steffen H, Walker MW, Zee DS. Changes in Listing´s
Plane following sustained vertical fusion. Invest Ophthalmol
Vis Sci 43: 668-672 (2002)
In der ersten Arbeit konnte Herr Steffen zeigen, dass es sowohl
bei fusionaler als auch bei akkommodativer Konvergenz jeweils
zu einer typischen Drehung der Listing´schen Ebene kommt.
Die Ergebnisse zeigen, dass die mit großer Präzision
gemessenen Orientierungsänderungen der Listing´schen
Ebene wohl nicht durch die glatte Muskulatur der Pulleys bewirkt
werden können.
Die zweite Arbeit beschäftigt sich ebenfalls mit der Listing´schen
Ebene. Untersucht wurde, ob die Primärposition eines Auges
sich an Stellungsänderungen adaptieren kann. Die Stellungsänderungen
wurden durch das Tragen von Prismenbrillen zunehmender Stärke
induziert. Es zeigte sich, dass die Änderung der Orientierung
der Listing´schen Ebene signifikant ist und konstant bleibt,
so lange eine monokulare Sehweise erzwungen wird. Herr Steffen
nimmt aufgrund seiner Untersuchungen an, dass die Pulleys wohl
nicht für die Orientierungsänderung der Listing´schen
Ebene bei unterschiedlichen binokularen Anforderungen verantwortlich
sind.
Mit diesen Arbeiten hat Herr Steffen einen international anerkannten
Beitrag zur modernen Strabologie geleistet.
Die Bielschowsky-Gesellschaft gratuliert Herrn Prof. Steffen sehr
herzlich und wünscht ihm weiterhin eine erfolgreiche klinische
und wissenschaftliche Tätigkeit auf dem Gebiet der Strabologie
und Neuroophthalmologie.
Regensburg, im Juli 2004,
Prof. Dr. med. Birgit Lorenz
Vorsitzende der Bielschowsky-Gesellschaft
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